Ein Tagesausflug auf den Hohentwiel

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Auf dem Weg vom Ruhrgebiet zum Bodensee fährt man unweigerlich durch das das Hegau. Das Hegaugebiet ist eine vulkanisch geprägte Landschaft im Süden Baden-Würtembergs, weiß Wikipedia. Dort entstanden vor 14 Millionen Jahren etwa ein Dutzend Vulkane, die noch heute die Landschaft dominieren. Vom Früh- bis ins Hochmittelalter wurden auf ihren Gipfeln und auf ihren Hängen Burgen errichtet von denen heute leider nur noch Ruinen erhalten geblieben sind. Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen sind das Hegau und seine Vulkane immer wieder einen Besuch wert.
Zuletzt, und damals auch zum ersten Mal, hatten wir den Hohentwiel 2009 bei einer Convention zusammen mit Spielern des SciFantasy-Rollenspiels Chrestonim und des MMORPGs Ryzom erklommen. Für die Gruppe war es damals schon ein toller gemeinsamer Tagesausflug gewesen, obwohl dieses Ausflugsziel gerade an Pfingsten auch von vielen anderen Touristen angesteuert wird. Während unseres Bodensee Urlaubs im Juni wollten wir den Vulkan und die Burgruine Hohentwiel noch einmal in Ruhe für uns alleine erkunden. An dem Tag hatte es zum Glück keine 30° C mehr, sonst wäre der Aufstieg sicher doppelt so anstrengend gewesen ;o)
 
Der Hohentwiel ist mit 686 Metern über NN nicht der höchste Berg des Hegaus. Dennoch lohnt sich der beschwerliche Aufstieg zu Fuß, dann man wird am Ende mit einer bombastischen Aussicht in alle Richtungen belohnt werden. Die ist der Tatsache geschuldet, dass der Hohentwiel so ziemlich im Zentrum des Hegaus liegt. An seinem Fuß mit Blick in Richtung des Bodensees ist die Stadt Singen gelegen. An seinen Hängen befinden sich zwei Weingüter. Und auf seinem Gipfel trohnt die Burgruine Hohentwiel. Bevor es an den Aufstieg geht sollte man daran denken sich ein Ticket für die Ruine zu holen. Der Aufstieg selbst ist kostenlos, aber die Ruine kann eben nur mit Eintrittskarte betreten werden. Und wer es vergisst der muss den halben Berg wieder runter und dann wieder hinauf. Das wäre echt ärgerlich. Auch hier fiel für uns Dank der Bodensee Erlebniscard keine Gebühr an ;o)
 
Kurz hinter dem Parkplatz trifft man linker Hand auf den mittelalterlichen Friedhof. Vor dem einladenden Tor steht im Übrigen die Bank, auf die ich mich für den BenchMonday #7 gestellt hatte ;o) Da etwa zeitgleich eine Touristengruppe mit Touristenführer den Aufstieg mit uns begann und sie den Friedhof belagerten, beschlossen wir den Friedhof am Ende noch einmal anzusehen. Letzendlich haben wir das nicht mehr nachgeholt, aber wir waren auch 2009 schon einmal dort und haben entsprechend viel Bildmaterial. Ihr müsst ihn also bei einem Besuch selbst erkunden und hier auf die entsprechenden Bilder verzichten.
Und wo wir schon bei den Bildern sind erzähle ich euch eine kleine Anekdote am Rande. Dieser Beitrag ist prall gefüllt mit tollen Fotos. Der Ausflug zum Hohentwiel war der Ausflug mit den meisten Bildern während unseres Urlaubs. Ca. 450 Stück sind zusammen gekommen und das ohne Friedhof. Ich habe ein paar Stunden Zeit genommen, um sie auf bombastische 49 Stück zu reduzieren. Sie können also nur einen Bruchteil dessen wiedergeben, was es dort zu bestaunen und zu erleben gibt.
 
Vorbei am Friedhof geht es also an den Aufstieg, dabei windet sich die Straße liebevoll um die Flanken des Bergs. Rechter Hand wird die Aussicht immer schöner und wer auch mal einen Blick nach links wird, der kann vielleicht ein paar märchenhaft verteilte Steine im Wald entdecken. Irgendwann, nach gefühlten Kilometern den Berg hinauf, kommt man schließlich am Alexandertor an und gelangt durch ein paar Tunnel zur so genannten Karlsbastion. Bis zu diesen frühneuzeitlichen Anlagen ist der Aufstieg kostenlos.
 
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Die geräumige Plattform der Karlsbastion diente dazu mögliche Angreifer schon weit im Voraus von der eigentlichen Burg auf Distanz zu halten. Heute bietet sie vor allem einen wundervollen Ausblick ins Hegau, die Stadt Singen am Fuß des Berges, sowie den Bodensee. Will man weiter dem Weg folgen und durch das Eugentor das Gelände betreten benötigt man die erwähnte Eintrittskarte ;o) Zuvor kann man jedoch noch einen Blick den Berg hinauf werfen und erhält einen tollen Blick auf die Zitadelle, das sogenannte Rondell Augusta. Dazu aber später mehr. Erst einmal durch den Eingang aufs Gelände und dann steht man schon mitten in den ersten Ruinen. Rechter Hand befindet sich nämlich die Stabsoffizierswohnung. Und dann kann es auch schon mit dem wilden Geknipse und Gekletter los gehen ;o)
 
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Es gibt Leute, die können mit Ruinen ja überhaupt nichts anfangen. Aber diese Leute sehen nicht, was ich sehe. Ich sehe nicht einfach nur alte Wände mit Löchern darin. Ich sehe die Handwerkskunst und ihre Veränderung durch die Epochen. Ich sehe Räume. Ich sehe Türschwellen. Ich sehe Löcher in denen Balken früher den Boden getragen haben. Ich sehe wie niedrig oder hoch diese Decken im Vergleich zu heute waren. Ich sehe wie dunkel die Räume durch die kleinen Fenster waren. Ich sehe wie klein oder groß diese Räume waren. Und ich sehe noch so viel mehr.
Und weil ich all das sehen kann, fasziniert mich, wie die Leute damals mit ihren bescheidenen Möglichkeiten es geschafft haben auf diesen steilen Bergflanken Ställe, Häuser und eine ganze Burg zu errichten. Und mich fasziniert wie einfallsreich der Mensch schon immer gewesen ist, um das zu erreichen was er sich vornimmt. Technische Hilfsmittel wurden erfunden und das Wissen um diese Errungenschaften ging auch wieder verloren. Und dennoch sind wir mit unseren Möglichkeiten heute da wo wir nun mal sind. Und ich kann Dank dieser, unserer Möglichkeiten digitale Bilder festhalten und sie mit euch teilen. Und das ist am Ende einfach nur wahnsinnig toll. Und ich fürchte ich kann meine Begeisterung mit diesen Worten gar nicht so rüber bringen, wie ich sie tatsächlich empfinde.
 
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Also zeige ich euch einfach ein bisschen Aussicht. Der Vulkan, der für mich als landmarke vom Hohentwiel aus gesehen am markantesten war, ist eindeutig der Hohenstoffeln. Keinen der anderen Vulkane habe ich bewusst oder unbewusst öfter fotografiert. Aber mit seinem Doppelgipfel ist er ja auch irgendwie etwas besonderes und fügt sich malerisch in die Landschaft ein.
Ebenso markant, aber nicht annähernd so hoch ist der Hohenkrähen. Auf dem waren wir leider nicht. Aber bei der Recherche für dieses Posting sind mir so viele Burgruinen begegnet, dass ich mir sicher bin nächstes Pfingsten eine davon zu besuchen ;o)
 
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Der Weg hinauf führt immer wieder über sehr stabile Holzbrücken. Für meine Höhenangst war das nur semioptimal. Allerdings hatte ich einen echt guten Tag und es ging ohne Händchenhalten. Das Wissen darum, dass diese Brücken gewartet werden hilft außerdem. Wer dem Braten dennoch nicht traut, der sollte einfach nicht alleine gehen, denn diese Brücken kann man leider nicht umgehen.
Schließlich kommt man aber in der eigentlichen Burg an und dort werden auch Höhenangstgeplagte für alles entschädigt. Hier oben gibt es einen Picknickplatz. In Mitten der Ruinen von Stallungen mit Offiziers- und Mannschaftsunterkünften, dem Schul- und Pfarrhaus und der Kirche und seinem Kirchturm, kann man auf dem Paradeplatz einen Pause einlegen. Die Wiese lädt ebenso zum Verweilen ein, wie die Picknicktische und aufgestellten Bänke. Für Kinder und/oder Abenteurer gibt es hier außerdem viel zu entdecken. Wer sich nicht vor engen dunklen Räumen und unebenen Böden scheut, der entdeckt so manchen Geheimgang und steht wie wir vielleicht plötzlich unterhalb der Wilhelmswacht noch bevor er von ihr aus die Aussicht Richtung Bodensee genießen konnte ;o)
 
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Aber auch der Paradeplatz und die umliegenden Gebäude sind für jeden Ruinenliebhaber einfach toll anzusehen und zu erkunden. Für jemanden auf Fotopirsch an einem wenig Besucherstarken Tag unter der Woche, bieten sie sich außerdem als dankbare Fotomodelle an ;o) Etliche meiner Bilder sind einfach dort entstanden, weil man so schön mit den Einstellungen der Kamera spielen und experimentieren kann.
 
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Das höhste Bauwerk auf dem Hohentwiel ist der frühneuzeitliche Kirchturm. Zu meinem Leidwesen kann und darf man ihn besteigen. Ob ihr es glaub oder nicht, ich bin wegen der Aussicht tatsächlich hinaufgestiegen. Das hatte ich 2009 nämlich nicht getan und nach dem Ausflug auf den Säntis war das sozusagen ein Kinderspiel. Die meisten Bilder vom Turm nach unten hat dann aber doch der weltbeste Mann geschossen, das war für meine angespannten Nerven eh schon fast zu viel ;o)
 
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Wieder unten angekommen mit festem Boden unter den Füßen haben wir erst einmal die unterirdischen Anlagen des Fürstenschlosses untersucht und von dort aus unseren Weg zum schon oben erwähnten Rondell Augusta gefunden. Wie viele der heute zu sehenden Ruinen stammt auch das Rondell Augusta aus der Frühen Neuzeit. Der mehrstöckige Kanonenturm ist mit seinen 25 m Durchmesser die größte Rundbastion Südwestdeutschlands.
An dieser Stelle noch ein paar geschichtliche Einblicke zu den Beuwerken auf dem Hohenntwiel. Funde auf dem Vulkan lassen auf erste Besiedlungen in der Stein- und Bronzezeit schließen. Im Zusammenhang mit der Wiederbegründung des Herzogtums Schwaben wird die Burg Hohentwiel 914 n. Chr. das erste mal erwähnt. 970 n. Chr. wurde auf der Burg das Kloster St. Georg errichtet, von dem heute aber leider nichts mehr erhalten ist. Somit kann auch nicht belegt werden wo es sich genau befand. Die heutigen Ruinen stammen alle aus dem Spätmittelalter bzw. der Frühen Neuzeit. Das macht sie allerdings nicht weniger spannend, immerhin erreicht man die eigentliche Burg höchstens auf Pferden. Karren kamen nur bis zum Vorhof.
Und wen das nicht interessiert, dem sei gesagt: Ist auch nicht so wichtig, die Aussicht ist einmalig! ;o)
 
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Teddy war im übrigen auch wieder mit von der Partie. Er fand den Ausblick auf den Hohenstoffeln auch besonders schön ;o)
Als letztes haben wir noch eine Runde durch das Fürstenschloss gedreht. Viele Räume wurden im 16. Jahrhundert zu Gefängniszellen umfunktioniert. Ein Teil des Bodens in der Küche ist heute noch erhalten. Und könnt ihr genauso wie ich die Kreuzgewölbedecke darüber sehen?
 
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Mit einem letzten Blick auf den Hohenkrähen haben wir uns dann wieder an den Abstieg gemacht.
Ich hoffe euch hat dieser Kurzurlaub in Bildern und Worten gefallen, denn es war der letzte große Ausflug unseres Urlaubs am Bodensee. Es waren echt viele Bilder und auch viel Text und ich entschuldige mich nicht dafür ;oP Nach dem Urlaub kehrte der Alltag dann ziemlich schnell wieder ein. Aber das bedeutet nicht, dass ich nicht noch Bilder weiterer Ausflüge und damit Kurzturlaube für euch habe. Wie sieht es aus? Interessiert? Ich würde mich freuen :o)
 
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Verlinkt bei: Urlaubslinkparty von Nähfrosch und eure Urlaubsbilder
 

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