Rezension: Knochenfinder

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Im Rothaargerbirge wird in einem Geocaching-Versteck ein Finger gefunden. Kurz darauf wird der Schüler René Staudt von seinen Eltern als vermisst gemeldet. An seiner Schule machen gewaltverherrlichende Videos und Bilder die Runde. Stehen die Finger und das Verschwinden Renés in einem Zusammenhang? Ist der vernachlässigte 18jährige vielleicht nur abgehauen oder wurde er Opfer eines Verbrechens? Was haben die Gewaltvideos damit zu tun, für die auch René Interesse gezeigt hat? Und was hat die Geocacherszene damit zu tun? Die Kommissare Natascha Krüger und Hannes Winterberg beginnen im Vermisstenfall zu ermitteln, doch die Puzzelteile für das Gesamtbild erschließen sich nur langsam.
 
Knochenfinder von Melanie Lahmer ist eine gute Gelegenheit um dem Thema Geocaching etwas näher zu kommen. Die Autorin führt den Leser ausführlich in das Mysterium des Geocachings ein. Sie erklärt worum es sich dabei handelt, wie mit Hilfe von GPS-Geräten versteckte Schätze sog. Caches gesucht werden. Dabei geht sie auch auf die verschiedenen Arten dieser Caches ein. Es gibt zum Beispiel so genannte Mysterycaches, die man nur mit Hilfe von Rätseln lösen kann, um am Ende den Schatz zu finden.
Geschickt versteht die Autorin es mit Hilfe des Geocachings die Region und ihre Bergbaugeschichte vorzustellen. Selbst wer nicht weiß, wo Siegen liegt, wie es dort aussieht und was man dort alles unternehmen kann, bekommt eine sehr gute Vorstellung davon.
Außerdem führt die Autorin mit ihrem Hauptcharakter Natascha in die synästethische Wahrnehmung ein. Synästhesie ist eine Wahrnehmungserweiterung, die zwei Bereiche miteinander verknüpft. Beispiele dafür sind unter anderem, dass Zahlen Farben haben oder Farben Temperaturen, auch Musik kann sich vor dem inneren Auge dabei manifestieren.
 
Leider vermag es die Autorin nicht nach der ersten Neugierde nach Prolog und erstem Kapitel den Spannungsbogen direkt weiter aufzubauen. Zunächst werden die Protagonisten Kommissarin Natascha Krüger und ihr Vorgesetzter Kommissar Hannes Winterberg ausführlich vorgestellt, ihre Lebensumstände, ihre Gefühle und Gedanken. Die Kapitel wirken wie eingeschoben und sorgen für ein Nachlassen der Neugierde. Ich hatte beim Lesen immer die Frage nach dem Ende dieser Einführung im Hinterkopf. Der Spannungsbogen baut sich erst danach wieder langsam auf. Für mich ein bisschen zu langsam. Störend empfand ich außerdem, dass die Protagonisten mitten in Gesprächen mit ihren Gedanken immer abwanderten oder von der Autorin Nichtigkeiten, wie das schalten in einen anderen Gang beim Autofahren beschrieben wurden. Ich bin allerdings auch nicht immer ein Freund von wechselnden Perspektiven.
 
Positiv muss allerdings hervorgehoben werden, dass nur durch die ausführliche Einführung der Charaktere Geocaching und Synästhesie dem Leser näher gebracht werden können. Der Fall nimmt erst durch die synästethische Wahrnehmung der Protagonistin zum Ende hin eine entscheidende Wendung, die den Krimi erst zu seinem Spannungshöhepunkt führt. So erschließt sich für die Protagonisten und auch für den Leser das ganze Ausmaß des Falls „Knochenfinder“* erst nach und nach. Man ist den Kommissaren mit seinem Wissen nur minimal voraus und trotz erster eigener Spekulationen kennt man den Täter auch erst, als sich alle Puzzelteile für die Polizisten zusammensetzen.
 
Mein Fazit: Informativ und absolut lesenswert. Auch wenn es sich anfangs ein wenig zieht ist es doch zum Ende hin furchtbar spannend, so wie ein Krimi eben sein sollte.
 
Knochenfinder ist das erste Buch, das ich für „Blogg dein Buch“ rezensieren darf, Mein Blog wurde hierfür nach meiner Bewerbung vom Bastei Lübbe Verlag ausgewählt. Ich danke für das Vertrauen.
 


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1 Comment

  1. Ich empfand das Buch durchgehend spannend. Da ich eigentlich nicht die Krimileserin bin, hat mir auch gut gefallen, dass da wo die Aufklärung der Fingerfunde etwas lockerer lief die Spannung im Bereich Liebesgeschichte zwischen Natascha und ihre Kollegen stieg. Aber insgesamt hat dir das Buch auch gut gefallen.
    Liebe Grüße
    Astrid

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